Erste Blockupy-Aktionen in Heilbronn

Textil_2Noch vor dem offiziellen Beginn der europaweiten Aktionswochen des Blockupy-Netzwerks hat das Heilbronner Blockupy- Bündnis in den vergangenen Tagen bereits erste Aktionen durchgeführt.

Am Samstag, den 10.Mai 2014, waren Heilbronner Aktivist*innen mehrere Stunden lang mit einem Transparent auf dem internationalen Fest „Treffpunkt Europa“ präsent und verteilten dort mehrere hundert Flugblätter und „Umbrella Uprising“- Zeitungen. Rund um das Fest konnten somit einige interessante Gespräche mit feiernden Menschen und Passant*innen geführt werden. Denn „Europa“ ist nicht nur ein Grund zu feiern, sondern bedeutet für viele Menschen Armut, Perspektivlosigkeit, Ausgrenzung und tödliche Abschottung an den EU- Außengrenzen.

Am Sonntag, den 11.Mai 2014 sorgte beim lokalen Groß- Event „Trollinger Marathon“ ein Läufer für Aufmerksamkeit, der mit einer Blockupy- Fahne das (Halbmarathon-) Ziel erreichte.

Gegen die katastrophalen Bedingungen in den Textilfabriken Südasiens richtete sich eine kreative Aktion am Mittwoch, den 14.Mai 2014. Auf dem Kiliansplatz platzierten sich einige Frauen an Tischen mit Nähmaschinen – angekettet von männlichen „Aufsehern“.
Währenddessen verteilten weitere Aktivist*innen zahlreiche Flyer, in denen erklärt wurde, was es mit der ungewöhnlichen Performance auf sich hatte.
Die immer mehr konsumierten und immer billiger werdenden Hosen, T-Shirts und Jacken, die wir in den deutschen Fußgängerzonen kaufen können, werden in Bangladesch, Pakistan und anderen Ländern von Arbeiter*innen gefertigt, die meist ohne Vertrag und zu Hungerlöhnen arbeiten.
Sicherheitsmaßnahmen werden von den Unternehmen ignoriert, um noch profitabler produzieren zu können, so dass es immer wieder zu schweren Unfällen kommt.

An die bisher größte Katastrophe im Zusammenhang mit der Textilindustrie in Südasien erinnerte am Abend des 14.Mai 2014 Thomas Seibert von medico international bei einer Veranstaltung im Sozialen Zentrum Käthe.
Er berichtete mit eindrucksvollen Bildern vom Zusammenbruch der Textilfabrik Rana Plaza in Sabhar (Bangladesch) am 24.April 2013, der über 1100 Menschen das Leben kostete.
Seibert verschaffte den über 50 Teilnehmer*innen außerdem einen Überblick über die Arbeitsbedingungen in der südasiatischen Textilindustrie und die Ansätze gewerkschaftlicher Organisierung bzw. Selbstorganisation der Arbeiter*innen.
Illusionen, durch Konsumboykott oder den Kauf von „Fairtrade“-Kleidung die Ausbeutung in den Fabriken der europäischen Modehäuser beenden zu können, erteilte er eine klare Absage.
Stattdessen plädierte er für die Aufrechterhaltung des öffentlichen Drucks, weitere Aktionen und die Unterstützung kämpfender Arbeiter*innen vor Ort.

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